Ansichten
und Hintergründe

Wer Anwälte, Steuerexperten, Ärzte, CEOs oder Verwaltungsräte rekrutiert, bewegt sich fast immer in engen Märkten. Der Talentpool ist begrenzt, die Anforderungen hoch, Fehlbesetzungen teuer. In solchen Situationen wird oft viel über Persönlichkeit, Kultur-Fit oder Energie gesprochen – zu Recht. Doch ohne echte Expertise bleibt jede Energie wirkungslos.

 

Expertise den inhaltlichen Hebel, der Leistung erst möglich macht. Sie entscheidet darüber, ob jemand nicht nur engagiert arbeitet, sondern substanziell Mehrwert schafft.

 

Expertise ist mehr als ein guter Lebenslauf

Im Recruiting wird Expertise häufig verkürzt verstanden: Titel, Arbeitgeber, Berufsjahre. Doch Erfahrung allein ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, wie Wissen angewendet wurde, nicht nur, wo jemand gearbeitet hat.

Expertise zeigt sich in drei Dimensionen:

  • Fachwissen: solides, differenziertes Verständnis des eigenen Fachgebiets
  • Fähigkeiten: die Fähigkeit, dieses Wissen in Handlung und Resultate zu übersetzen
  • Relevante Erfahrung: gelernt aus realen Situationen mit messbarem Impact

 

Ein Kandidat mit echter Expertise spricht präzise, strukturiert und lösungsorientiert. Er kann erklären, warum etwas funktioniert, wann es nicht funktioniert – und was er in Zukunft anders machen würde.

 

Wie sich echte Expertise im Interview zeigt

 

Im Interview erkennt man Expertise nicht an Schlagworten, sondern an Tiefe. Typische Merkmale sind:

  • konkrete Beispiele statt allgemeiner Aussagen
  • klare Trennung von Ursache, Massnahme und Ergebnis
  • saubere Verwendung von Fachterminologie
  • realistische Einschätzung von Risiken und Grenzen

 

Wer Expertise besitzt, muss sich nicht aufblasen. Antworten sind ruhig, sachlich und nachvollziehbar. Wer hingegen Wissen nur reproduziert, bleibt vage, theoretisch oder ausweichend.

 

Gerade bei Anwälten, Ärzten, Steuerexperten, CEOs und Verwaltungsräte ist dies zentral: Klienten müssen sich auf die Aussagen ihres Anwalts oder Steuerexperten verlassen könnten, Patienten auf die Diagnose und die Therapie ihres Arztes und Mitarbeiter und Aktionäre auf die Expertise der Unternehmensführung.

 

Fazit

Expertise ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage professioneller Rekrutierung. Sie zeigt sich nicht im Titel, sondern im Denken, Argumentieren und Handeln.

Egal ob man Anwälte, Steuerexperten, Ärzte, CEOs oder Verwaltungsräte rekrutiert: Energie – verstanden als Tatkraft, innerer Antrieb und Resilienz – ist einer der stärksten Prädiktoren für nachhaltigen Erfolg. Fachwissen kann gelernt, Prozesse verstanden und Erfahrungen können erweitert werden. Doch Energie ist vorhanden oder nicht. Sie entscheidet darüber, ob jemand Entscheidungen fällt, Verantwortung übernimmt oder nach Rückschlägen wieder aufsteht.

 

Doch, wie findet man heraus, ob eine Person einen hohen Energielevel hat?

 

Die Antwort: Menschen mit einem hohen Energielevel wollen und können etwas bewegen, gestalten und treiben Projekte voran. Sie lösen Probleme vor deren Eskalation. Energie zeigt sich nicht in lauten Worten, sondern im Handeln.

 

Folgende drei Beispiele aus der Praxis zeigen typische Signale, welche auf einen hohen Energielevel hinweisen:

 

  1. Tatkraft: Proaktiv anstelle von reaktiv handeln

Letzthin rekrutierten wir einen Head Tax für einen international agierenden Konzern. Dabei stellte sich heraus, dass ein Kandidat schon früh die Entwicklungen einer globalen Mindeststeuer der OECD verfolgt hatte. Als die OECD-Mitglieder dann die Einführung beschlossen, konnte er einen Plan für die Umsetzung aus der Schublade ziehen. Er initiierte beispielsweise eine saubere Datenerfassung der Tochtergesellschaften weltweit, die Umstellung interner Prozesse und die Anpassung der IT-Systeme. Der Plan ermöglichte eine termingerechte Umsetzung inklusive zeitlicher Sicherheitsmarge. Gleichzeitig bestand auch genügend Flexibilität für länderspezifische Anforderungen.

 

  1. Selbstmotivation: Widerstände überwinden

Bei der Rekrutierung eines zukünftigen Partners für eine Anwaltskanzlei hatten wir eine Kandidatin aus einer Grosskanzlei. Diese hatte früh realisiert, dass ihr Arbeitgeber zwar gut Mandate akquirieren konnte, entsprechend genügend Arbeit für sie vorhanden war. Sollte ihre Kanzleikarriere jedoch erfolgreich verlaufen, benötigte sie eigene Klienten. Daher erstellte sie im ersten Jahr einen Business Case und begann anschliessend schrittweise mit der Umsetzung – besuchte Business-Anlässe, hielt Vorträge und publizierte – dies alles neben einer hohen Arbeitsbelastung. Als Folge hatte die Anwältin nach fünf Jahren einen schöne Anzahl Klienten.

 

  1. Resilienz: Misserfolge absorbieren

Für eine Chefarztposition Innere Medizin in einem mittelgrossen Spital hatten wir einen Kandidaten, welcher in einer seiner vergangenen Positionen über Monate hinweg mit extrem hoher Arbeitsbelastung für sich und sein Team konfrontiert war. Im Sinne einer konstruktiven Überlebensstrategie und um sein Team bei der Stange zu halten, ergriff er zwei Massnahmen: Zum einen nahm er bewusst fixe Zeiten für Sport und Familie. Dies teilte er seinem Team mit. Absicht war das Aufladen seiner Batterien sowie dem Signal an sein Team, dass auch für ihn die Belastung hoch war, die Situation schwierig ist. Zum anderen motivierte und lobte er sein Team mit dem Hervorheben von Behandlungserfolgen bei Patienten.

 

Energie ist elementar. Sie entscheidet darüber, ob Kandidaten Projekte umsetzen, Mandate akquirieren, Teams wirklich führen oder Krisen bewältigen.

Der Arbeitsmarkt für Anwälte, Steuerexperten und Ärzte in der Schweiz gehört zu den angespanntesten Rekrutierungsmärkten überhaupt. Kanzleien, Unternehmen, Kliniken und Arztpraxen stehen zunehmend vor der Herausforderung, für Fach- wie Führungsrollen passende Personen zu finden. Je knapper der Markt, desto verlockender scheint es, das Suchprofil möglichst breit zu definieren. Die Hoffnung ist, dass dadurch mehr Personen infrage kommen. Doch dieser Ansatz ist nicht nur wirkungslos, sondern kontraproduktiv.

Warum ein breites Suchprofil schadet

Wird ein Suchprofil unscharf oder bewusst sehr weit gefasst, entsteht auf den ersten Blick ein grösserer Kandidatenpool. Gleichzeitig sendet das Unternehmen jedoch eine problematische Botschaft: „Es passt eigentlich jeder.“ Das ist für potenzielle Kandidaten jedoch unattraktiv.

Top-Juristen und -Steuerexperten sowie spezialisierte Ärztinnen und Ärzte wollen nicht irgendeinen Job; sie wollen eine Aufgabe, die zu ihnen passt. Ein unspezifisches Profil vermittelt den Eindruck, dass Unternehmen oder Kanzleien nicht wissen, wen sie suchen, wie die Rolle ausgestaltet sein sollte und welche Persönlichkeit in der Rolle erfolgreich sein kann.

Fachspezialisten und Führungspersonen möchten für Organisationen arbeiten, die professionell agieren, überlegt selektionieren und sich das Profil genau überlegen. Ein präzises Profil ist ein Qualitätsmerkmal sowie ein Attraktivitätsfaktor.

Das 3E-Framework (Energie, Expertise, Ethik) sollte daher unbedingt auch engen Märkten angewendet werden. Es hilft Organisationen, nicht nur die entscheidenden Anforderungen zu definieren, sondern stellt auch eine nachhaltige Rekrutierung sicher.

  1. Energie – Tatkraft und innerer Antrieb

In hochregulierten, anspruchsvollen und zeitkritischen Berufen zählt Tatkraft, Selbstmotivation und Resilienz besonders. Top-Anwälte, Steuerexperten und Ärzte tragen hohe Verantwortung, arbeiten oft unter Druck und müssen in komplexen Situationen verlässlich performen. Energie beschreibt genau diese Fähigkeit:
Menschen, die Herausforderungen proaktiv anpacken und auch in schwierigen Phasen handlungsfähig bleiben.

  1. Expertise – fachliche und strategische Exzellenz

Gerade in juristischen, steuerlichen und medizinischen Berufen ist Expertise nicht verhandelbar. Fachwissen, Fähigkeiten und relevante Erfahrung entscheiden über Qualität und Vertrauen – beides zentrale Währungen in diesen Berufsfeldern. Das 3E-Framework zwingt dazu, Expertise nicht abstrakt („hohe Fachkompetenz“) zu beschreiben, sondern in konkrete Anforderungen zu übersetzen, die für die Rolle entscheidend sind.

  1. Ethik – Integrität als Fundament

In Berufen, in denen täglich weitreichende Entscheidungen getroffen werden, steht Integrität im Zentrum.
Ethik definiert Werteorientierung, Redlichkeit und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Ohne Ethik ist Expertise wertlos und Energy kann gefährlich sein. Gerade in engen Märkten – in denen jede Fehlbesetzung besonders schwer wiegt – bietet ein klar definiertes Ethik-Profil eine wichtige Absicherung.

Differenzierung im Wettbewerb

Unternehmen, die mit dem 3E-Framework arbeiten, senden an potenzielle Kandidaten ein starkes Signal: Wir wissen genau, wen wir suchen – und warum. Während andere Organisationen Profile verwässern, schafft das 3E-Framework Klarheit. Damit können sich Unternehmen positiv differenzieren.  Das 3E-Framework ermöglicht ein präzises Profil. Und Präzision ist das, was in engen Märkten überzeugt.

Kurz: Die Anwendung des 3E-Frameworks ist in engen Rekrutierungsmärkten nicht nur sinnvoll, sondern entscheidend. Es ermöglicht:

  • die passenden Personen nachhaltig rekrutieren;
  • attraktiver für Top-Kandidaten werden;
  • sich gegenüber Konkurrenzunternehmen differenzieren.

Wer in engen Märkten erfolgreich rekrutieren will, darf das Profil nicht verwässern, sondern muss es präzisieren. Eine saubere Anwendung des 3E-Framework hilft dabei.

Der Weg in die Partnerschaft einer Kanzlei ist heute anspruchsvoller denn je. Klienten erwarten unternehmerisches Denken, Mandatsverantwortung, Kommunikationsstärke und Integrität. Kanzleien wiederum suchen Persönlichkeiten, die Leistung mit Loyalität und Führungsreife verbinden. Nach unserer Erfahrung als Executive Search-Beratung im juristischen Markt lassen sich erfolgreiche Partnerkarrieren entlang unseres 3E-Frameworks erklären: Energie, Expertise und Ethik – drei Dimensionen, die sich gegenseitig bedingen und nur im Zusammenspiel nachhaltigen Erfolg erzeugen.

  1. Energie – Tatkraft und innerer Antrieb

Ein Partner in einer Anwaltskanzlei ist derjenige, der Verantwortung für Akquisition, Teamführung und wirtschaftliche Entwicklung übernimmt. Dafür braucht es mehr als juristische Präzision: Es braucht Energie – jenen inneren Motor, der Mandate gewinnt, Netzwerke pflegt und Chancen erkennt.

Energie zeigt sich in Tatkraft, Selbstmotivation und Resilienz:

  • Tatkraft bedeutet, Ideen umzusetzen, nicht nur zu analysieren. Wer Partner werden will, muss neue Geschäftsfelder aktiv gestalten und Mandate entwickeln.
  • Selbstmotivation ist entscheidend, da der Partnerweg selten linear verläuft. Motivation aus sich selbst heraus – nicht nur durch Boni oder Titel – unterscheidet zukünftige Partner von guten Associates.
  • Resilienz schliesslich zeigt sich in Krisen: Mandatsverlust, interne Konflikte oder ein verlorener Prozess dürfen die Leistungsfähigkeit nicht brechen.

In Interviews erkennt man „Energie“ an der aktiven Sprache, am Blickkontakt, an konkreten Beispielen von Durchhaltevermögen. Wer Verantwortung sucht statt sie zu vermeiden, bringt die erste der drei Partnerqualitäten mit.

  1. Expertise – juristische und strategische Exzellenz

Ohne Substanz keine Partnerschaft. Expertise ist die fachliche und strategische Grundlage, auf der Vertrauen entsteht – intern wie extern. Der Anwalt verkauft Wissen und Urteilskraft. Doch Partnerschaft verlangt mehr als Fachwissen; sie verlangt die Fähigkeit, Wissen wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Die Expertise zukünftiger Partner zeigt sich in drei Ebenen:

  • Fachwissen – souveränes Beherrschen des Rechtsgebiets, präzise Argumentation, Sicherheit im Umgang mit komplexen Mandaten.
  • Fähigkeiten – die Umsetzung von Wissen in Resultate: Mitarbeiter- und Projektführung, Mandatsmanagement, Teamsteuerung, digitale Kompetenz.
  • Erfahrung – die Fähigkeit, aus realen Situationen zu lernen und Muster zu erkennen.

Partner werden diejenigen, die den Transfer von Recht zu Wirkung schaffen. Ein exzellenter Anwalt denkt strategisch, berät lösungsorientiert, kann juristische Tiefe mit kommerziellem Denken verbinden. Expertise ist der Hebel, der Leistung sichtbar macht – aber ohne Energie bleibt sie Theorie, ohne Ethik verliert sie Glaubwürdigkeit.

  1. Ethik – Integrität als Fundament

Die dritte Dimension bildet das Fundament jeder nachhaltigen Karriere. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind eine vitale Währungen des Anwaltsberufs.

Ethik umfasst Integrität, Redlichkeit und Werteorientierung:

  • Integrität bedeutet, auch unter Druck richtig zu handeln – etwa, wenn wirtschaftliche Interessen gegen juristische oder ethische Grundsätze stehen.
  • Redlichkeit ist die Voraussetzung für Verlässlichkeit. In Kanzleien, wo Mandate im Team geführt werden, entscheidet Glaubwürdigkeit über Zusammenhalt.
  • Werteorientierung heisst, die eigenen Handlungen mit den Kernwerten der Kanzlei und der Rechtsordnung in Einklang zu bringen.

Kandidaten, die Ethik leben, gewinnen nicht nur Vertrauen bei Klienten, sondern auch Loyalität im Partnerkreis. In der Praxis sind dies die Persönlichkeiten, die auch in Konflikten Haltung zeigen – und damit langfristig Reputation aufbauen.

Fazit

Der Schritt in die Partnerschaft ist kein Karrieresprung, sondern eine Reifeprüfung. Wer als Anwalt Partner werden will, muss mehr sein als ein juristischer Könner: Er oder sie muss unternehmerisch handeln, Verantwortung übernehmen und integer bleiben.

Erfolgreiches Rekrutierungen sind kein Zufall, sondern Ergebnis klarer Prinzipien. Gemäss unserer Erfahrung als Executive Search-Consultants lassen sich präzise Besetzungen und nachhaltige Rekrutierungen anhand eines klaren Modells erklären, dem

 

3E-Framework.

 

Die drei E stehen für Energie, Expertise und Ethik. Die Kombination dieser drei Dimensionen in einer Person machen den Unterschied zwischen einer guten und einer exzellenten Besetzung.

 

Energie beschreibt die Tatkraft, den inneren Antrieb, und die Selbstmotivation eines Menschen. Wer Energie hat, gestaltet, statt nur zu reagieren. Diese Personen sehen eher Chancen als Risiken, treiben Projekte voran und behalten auch in anspruchsvollen Phasen die Handlungsfähigkeit.

 

Expertise steht für Fachwissen, analytische Schärfe und die Fähigkeit, Wissen in Resultate zu übersetzen. Expertise ist die Grundlage jeder Leistung. Ihr Wert wird jedoch erst entfaltet, wenn sie mit Energie gekoppelt ist.

 

Ethik bildet das Fundament. Integrität, Redlichkeit und Werteorientierung sichern Vertrauen – intern wie extern. Ohne Ethik verliert jede noch so grosse Leistung an Glaubwürdigkeit.

 

Das 3E-Framework hilft Unternehmen, über klassische Lebensläufe hinauszudenken. Es macht sichtbar, wer nicht nur kann, sondern will und integer handelt. In einem Markt knapper Talente, ist das 3E-Framework ein Kompass für nachhaltige Rekrutierungen.

21.10.2025